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«Mit einer Trennung sind die Konflikte nicht gelöst.»

Dieses Interview mit Viktor Arheit ist in der kostenlosen Juliausgabe des Magazin P&M erschiehen.
 
Gibt es ein Rezept, um eine Trennung gut zu meistern?
Eine Trennung führt zu grossen Unsicherheiten. In dieser Situation ist es wichtig zu vermeiden, dass Gefühle verdrängt werden und man blindlings vorwärts rennt. Es hilft, den Gefühlen Raum zu geben und anzuerkennen, wenn man traurig oder wütend ist. In einem nächsten Schritt geht es um die Neuorientierung.

Was braucht es dazu?
Man muss sich Zeit nehmen und überlegen: Wo stehe ich jetzt? Was will ich? Wohin soll es gehen? Was tut mir gut? Dabei wird eine neue Perspektive entwickelt und es gibt Platz für Freundschaften. Hingegen sollte man sich nicht gleich in die nächste Zweierbeziehung stürzen.

Welche Faktoren erschweren die Übergangsphase?Mit einer Trennung sind die Konflikte nicht gelöst. Sie müssen aufgearbeitet und ad acta gelegt werden. Sonst kämpft man noch Jahre später mit den Emotionen. Erleichternd ist es, wenn man auf ein soziales Umfeld wie Freunde oder Familie und eine berufliche Stabilität zurückgreifen kann. Ein zusätzli-ches Standbein neben einer Beziehung ist hilfreich – ein Ort, an dem Wertschätzung und Anerkennung erlebt werden können.

Hat eine Trennung auch etwas Gutes?
Für sehr viele führt die Trennung zu einem Bewusst-seinsschub. Man setzt sich mit sich selber auseinan-der und orientiert sich neu. Es öffnen sich neue Türen. Zentral ist auch, dass trotz der Trennung die Beziehung gewürdigt und respektiert wird. Man sollte sich und der Person, von der man sich getrennt hat, Fehler verzeihen und akzeptieren, dass es nicht geklappt hat. Dies kann zu einer Stärkung der eigenen Person führen. Man weiss dann: Ich habe eine der schwierigsten Situationen gemeistert. Es war schlimm, aber ich habe es geschafft und wieder zu Lebensfreude und Sinn gefunden.