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«Überforderung mit ängstlicher Partnerin»

Meine Situation mit einer ängstlichen Partnerin ist schwierig. Sie macht sich Sorgen um fast alles. Das Coronavirus ist eine allgegenwärtige Bedrohung und bestimmt unseren Alltag. Sie kontrolliert mein Verhalten mittlerweile so stark, dass ich sie manchmal anschreie, weil ich es nicht mehr aushalte. Darüber bin ich selber erschrocken. Normalerweise bin ich ruhig und geduldig.

Die Bedrohung durch das Coronavirus war allgegenwärtig spürbar. Diese ungewisse Situation kann in uns Menschen Stress und Verunsicherung auslösen. Wenn Ihre Partnerin aufgrund ihrer Ängste mit einem Kontrollverhalten reagiert, ist das nachvollziehbar.

Angst ist ein wichtiges Signal, das uns vor reellen Gefahren schützt. Ängste können sich aber auch verselbständigen und übermächtig werden. Da hilft ein Realitätscheck mit der Frage: Ist meine Angst angesichts der tatsächlichen Bedrohung angemessen? Diese Selbstkontrolle lässt uns übersteigerte Ängste erkennen.

Als Partner erleben Sie verschiedene Phasen. Die Einstiegsphase beginnt mit dem guten Vorsatz, unterstützend und geduldig zu ihrer Partnerin zu sein. Gut zureden und Mut machen ist angesagt: «Wir halten uns an die Regeln von Händewaschen und Abstand halten. Wir schaffen das.» Wenn diese Zuwendung keine Wirkung zeigt und das kontrollierende Verhalten zunimmt, dann wird’s belastend für beide Seiten. Es kann zu Machtkämpfen kommen: «Diese Kontrollen lasse ich mir von Dir nicht mehr bieten. Ich habe ein Recht auf Selbstbestimmung». Wenn in dieser Konfliktsituation geschrien wird, zeigt das Ihre Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Ich rate Ihnen, sich in einem ruhigen Moment mit Ihrer Partnerin hinzusetzen und ihr in die Augen zu schauen. Wenn möglich berühren Sie einander. Dann tauschen Sie im Gespräch ihre Empfindungen aus. Wo wurden Grenzen überschritten und wer braucht welche Unterstützung? Was sind die unterschiedlichen Bedürfnisse nach Sicherheit oder eben nach Freiraum? Fragen Sie die Partnerin, ob es ihr gelingt, die Ängste allein in den Griff zu bekommen. Wenn nicht, ermuntern Sie sie, professionelle Hilfe zu suchen.

Margareta Hofmann, Paarberatung-Mediation im Kanton Zürich.

Dieser Artikel ist erschienen im «reformiert»