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Mein Mann trinkt! - und bietet Sohn Bier an

Mein Mann (50) und ich (42) sind seit 18 Jahren verheiratet. Nach der Geburt unseres ersten Kindes haben wir das klassische Familien-Modell gelebt und ich begann erst wieder mit einer Teilzeit-Arbeit, nachdem unser jüngster Sohn in die 1. Klasse ging. Mein Mann hat immer schon gerne und viel Alkohol getrunken, in der Zwischenzeit täglich; wenn ich ihn auf seinen Konsum ansprach, endete unser Gespräch meistens in einem Streit. Er fand immer, dass ich übertreibe und Männer grundsätzlich mehr vertragen würden. Neu beginnt er nun unseren älteren Sohn (15) an den Wochenenden zum gemeinsamen Bier einzuladen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass er es ihm förmlich aufdrängt. Ich finde es völlig unnötig, dass sich unser Sohn schon an einen regelmässigen Konsum gewöhnen soll. Darauf angesprochen, hatten mein Mann und ich einmal mehr einen Riesenstreit! Was soll ich nun tun?

Problematischer Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema und es ist nicht einfach jemanden darauf anzusprechen, schon gar nicht Personen, die einem nahestehen. Aufgrund Ihrer Beschreibung kann ich nicht beurteilen, inwieweit Ihr Mann missbräuchlich Alkohol konsumiert. Es ist schwer, ein Alkoholproblem vor sich selber und Anderen einzugestehen. Leugnen oder Verharmlosen ist ein Versuch, sich zu schützen, weshalb es bei Konfrontationen zu Streit führen kann, wie Sie dies ja schon erlebt haben. Wichtig hier ist, dass Sie sich daran schon länger stören und bezüglich Ihres Sohnes nun auch nicht mehr tatenlos zusehen möchten.

Nicht zu Unrecht: In den letzten Jahren hat der Alkoholkonsum von Jugendlichen bis 15 Jahren zwar abgenommen. Generell nimmt dann aber der Konsum zwischen 15 und 24 Jahren stark zu. In dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn und der Körper von Jugendlichen, weshalb ein Zuviel an Alkohol schädlich ist und das Risiko für spätere Alkoholprobleme steigt.

Suchen Sie mit Ihrem Mann nochmals das Gespräch; teilen Sie ihm mit, was Ihnen Sorgen macht, was Sie sich von Ihrer Partnerschaft wünschen, auch darüber, welche Vorbildfunktion Sie als Eltern haben und was Sie sich hier von ihm als Vater wünschen. Vielleicht können Sie ihn dafür gewinnen, mit Ihnen zusammen auf eine Suchtberatungsstelle zu kommen, um mit einer Fachperson über angemessenen Alkoholkonsum zu reden. Beratungsstellen für Alkoholprobleme sind auch für Angehörige da; die Fachpersonen unterstehen der Schweigepflicht und sind in der Regel kostenlos.

Stadt-Anzeiger Opfikon Glattbrugg
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