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In den Ferien streiten wir uns häufig ums Geld

«Mein Partner und ich gehen in zwei Wochen wieder in die Ferien. Eigentlich freue ich mich darauf, weiss aber, dass wir uns gerade im Urlaub häufig streiten. Mein Partner möchte zum Beispiel in viel teurere Restaurants essen gehen, mir ist es nicht so wichtig und es fühlt sich für mich nach Verschwendung an. Wie können wir die Konflikte, gerade im Bezug auf die Ausgaben während des Urlaubs, vermeiden? » 
 
Bei Ihrer Beschreibung stecken schon zwei Themen für Konfliktpotenzial bei Paaren drin: Urlaub und Geld. Urlaub soll eigentlich eine Auszeit vom oft stressigen Alltag darstellen. Leider ist dies bei Paaren manchmal eine Wunschvorstellung, und der er-sehnte Urlaub endet letztendlich in Enttäuschungen und Konflikten. Zu hohe Erwartungen an den Partner, zum Beispiel endlich die gemeinsame Paarzeit vollends auszuschöpfen, bereits bestehende Probleme in der Partnerschaft, zu viel Nähe, die man vom Alltag so nicht gewohnt ist, sowie mangelnde Absprachen der Erwartungen und Wünsche im Urlaub können einige der Risikofaktoren dafür sein, dass es im Urlaub Krach gibt. Auch das Thema Geld ist bei vielen Paaren schwierig, da beide Partner häufig einen unterschiedlichen Um-gang damit haben. Für Ihren Partner ist es vielleicht schön, gerade im Ur-laub besondere Momente gemeinsam mit Ihnen zu erleben und sich und Ihnen etwas zu gönnen, was im Alltag weniger Platz bekommt. Fragen Sie einmal nach, warum es ihm wichtig ist, schic essen zu gehen. Möglicher-weise ist dies sein Ausdruck, Ihnen zu zeigen, dass er Sie liebt. Sprechen Sie auch mit Ihrem Partner darüber, was Ihnen bei den Ausgaben wichtig ist. Besprechen Sie schon zum Voraus, wie viel Geld Sie gemeinsam maximal ausgeben können/möchten und wie Sie die Entscheidungen über die Ausgaben während des Urlaubs treffen. Vielleicht wechseln Sie sich mit der Verantwortung für Essengehen oder Aktivitäten pro Tag ab? Besprechen Sie daher, welche Erwartungen Sie im Urlaub haben. Wenn Sie dennoch während der Ferien merken, dass et-was gerade nicht stimmig so ist, nutzen Sie auch dann die Chance, es frühzeitig anzusprechen. Und vergessen Sie nicht, etwas Kompromissbereitschaft, Leichtigkeit und eine Portion Humor ebenfalls in den Koffer zu packen. 
 
Dieser Bericht ist im Stadt-Anzeiger erschienen.

«Der Wunsch nach Nähe führt uns in Beziehungen und in Bindung hinein. Dies ist ein Grundbedürfnis des Menschen und kann sinnbildlich mit «Einatmen» verglichen werden. Wir lassen uns auf die andere Person ein, verbinden uns ganz mit ihr und möchten mit ihr Eins sein.
Jedoch - kaum sind wir in einer Beziehung - spüren wir den Impuls, wieder stärker bei uns selber sein zu wollen, unsere Interessen wieder vermehrt wahrnehmen zu möchten und die Dinge nach unserem Willen zu tun. Sinnbildlich: «Wir atmen den Partner/die Partnerin wieder aus,» wir distanzieren uns von ihm/ihr, um uns selber wieder mehr zu spüren ...

… und kaum sind wir bei uns selber angekommen, spüren wir wieder den Impuls zum «Einatmen» … und so fort ...

So bewegt sich eine Partnerschaft immer wieder zwischen den beiden Polen «Nähe und Distanz» - Anziehung und Distanzierung - vertraut sein und anders, sich fremd sein. 

Diese Tatsache fordert uns lebenslang heraus. Es dient unserer Selbstfindung und fordert uns auf, uns immer wieder neu füreinander zu entscheiden, aufeinander zuzugehen, uns füreinander zu öffnen und das «Einssein» zu wagen - im Wissen drum, dass nach dem «Einatmen», unabwendbar auch «das Ausatmen» kommen wird.»